430.000 Euro EU-Förderung für Leipziger Hirnforscher
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Welche Rolle spielt das Enzym Prolyloligopeptidase, kurz „POP“, bei physiologischen Prozessen im Gehirn und bei der Entstehung von Erkrankungen des Nervensystems? Um diese Frage zu klären, erhält eine Arbeitsgruppe unter Leitung von PD Dr. Steffen Roßner vom Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung der Universität Leipzig in den kommenden vier Jahren im Rahmen des neurowissenschaftlichen Verbundprojekts „NEUROPRO" eine Zuwendung der Europäischen Kommission in Höhe von 430.000 Euro.
Wie die Forscher um Roßner berichten, sei bislang bekannt gewesen, dass die Prolyloligopeptidase Transmitter wie Peptidhormone und Neuropeptide spaltet, wodurch diese an den Synapsen inaktiviert werden und ihre biologische Wirkung unterbunden wird. Neuere Untersuchungen zeigten allerdings, dass das Enzym seine Aktivität auch direkt in den Nervenzellkörpern entfaltet und zum Beispiel am Transport und der Freisetzung von Peptiden beteiligt ist. Diese und weitere neu entdeckte Funktionen des Enzyms sollen im Rahmen des Forschungsprojekts mit gentechnischen, pharmakologischen und biophysikalischen Methoden untersucht werden. Die Identifizierung von neuen Substraten der POP und von beteiligten Signalkaskaden in den Nervenzellkörpern sollen dabei zum besseren Verständnis der physiologischen Funktionen der POP im gesunden Gehirn beitragen. Dieser „Themenkreis“ wird von Roßner als Teilprojektleiter koordiniert. Seine Arbeitsgruppe will außerdem untersuchen, welche Bedeutung POP bei der Entstehung von neurodegenerativen Erkrankungen und deren Verlauf hat – beispielsweise bei der Alzheimer-Erkrankung und Morbus Parkinson.
Der Verbund plant die Entwicklung neuer Zellkultur- und Tiermodelle, die Aspekte der neurodegenerativen Erkrankungen widerspiegeln. Außerdem sollen neuartige Stoffe gefunden werden, die das POP-Enzym spezifisch hemmen. Zum Ende der Förderung sollen diese Inhibitoren in präklinischen Studien zur Behandlung von Alzheimer und Parkinson getestet werden. Am Vorhaben, das mit insgesamt 4,8 Millionen Euro gefördert und von Dr. John Creemers von der Katholieke Universiteit of Leuven koordiniert wird, sind auch universitäre Forschergruppen aus Belgien, England, Estland, Ungarn und Finnland sowie Biotechnologie-Unternehmen beteiligt. (idw/sr)
